
Weiterbildung
Weiterbildung und Karriere: Kurse, Zertifikate und Finanzierung
In der Schweiz ist die Weiterbildung kein isolierter Bereich.
Weiterbildung und Karriere: Orientierung im Schweizer System
In der Schweiz ist die Weiterbildung kein isolierter Bereich. Sie ist die natürliche Fortsetzung von Bildungswegen, die mit einem Grundabschluss beginnen: eidgenössisches Berufsattest (EBA) oder eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ). Sie führen zur höheren Berufsbildung (HBB), die eidgenössische Prüfungen und Lehrgänge an Höheren Fachschulen (HF) umfasst.
Die Kombination von Arbeit und Studium prägt das Schweizer Modell: Die meisten Menschen absolvieren HBB-Kurse berufsbegleitend. Die Opportunitätskosten sinken, da man das Arbeitsverhältnis nicht unterbrechen muss, um eine Qualifikation zu erwerben.
Für die Orientierung sind drei Kriterien massgebend. Erstens: Welche Kurse gibt es und in welcher Form. Zweitens: Welche Zertifikate und Titel werden ausgestellt und anerkannt. Drittens: Mit welchen finanziellen Mitteln der Weg bestritten wird.
Die Titelbezeichnungen lassen sich in drei Gruppen einteilen. Auf der Basisstufe: EBA und EFZ. Auf der höheren Stufe: eidgenössische Berufsprüfungen und höhere Fachprüfungen sowie HF-Titel.
Der rechtliche Rahmen der beruflichen Bildung ist das Bundesgesetz über die Berufsbildung (BBG), das seit dem 1. Januar 2004 in Kraft ist. Dieses Gesetz hat das EBA eingeführt.
Entlang des gesamten Bildungswegs sind drei Gruppen von Begriffen relevant. Titel: EBA, EFZ, eidgenössischer Fachausweis, HF-Titel. Prüfungen: Berufsprüfung, höhere Fachprüfung. Finanzierung: öffentliche und private Mittel, Bund und Kantone, Förderkanäle für Mobilität und Austausch, Stipendien des SBFI, öffentliche Finanzierung durch das BAFU/EBG.
Nützliche Kurse wählen: Kataloge, Branchen und Formen
Erster Schritt: Verstehen, welches Angebot im eigenen Wohnort vorhanden ist. Kantone und Bildungsträger veröffentlichen Kataloge mit Berufskursen: Es lohnt sich, diese zu konsultieren, um zu sehen, welche Wege in der eigenen Region verfügbar sind.
Kataloge mit Berufskursen sind ein konkretes Instrument zur Orientierung: Sie sammeln das regional oder branchenspezifisch verfügbare Angebot. Einige Kurse können mit öffentlichen Förderkanälen verknüpft sein.
Ein Kurs kann also bereits mit einem Förderkanal verbunden sein: In diesen Fällen gilt es zu klären, wer zahlt und unter welchen Bedingungen.
Bei der Einsichtnahme in einen Katalog sollten Zielgruppe, versprochene Kompetenzen und Vereinbarkeit mit der Arbeitszeit geprüft werden. Prüfen Sie auch, ob der Kurs zu einem anerkannten Zertifikat oder nur zu einer Teilnahmebestätigung führt. Diese Unterscheidung ist entscheidend, wenn das Ziel ein Karriereschritt und nicht nur eine Aktualisierung ist.
Fragen Sie explizit nach dem Titel, den der Kurs verleiht. Dies kann ein eidgenössischer Fachausweis, ein HF-Titel oder eine einfache Teilnahmebestätigung sein. Nur die ersten beiden sind anerkannte Titel.
In der Schweiz dominiert die form, die mit der Erwerbstätigkeit vereinbar ist: Abendkurse, Intensivmodule, Fernunterricht oder strukturierte Wege während der Arbeit. Die Wahl einer langfristig tragbaren Form ist ebenso wichtig wie die Wahl des richtigen Inhalts. Ein abgebrochener Weg führt zu keinem Titel.
Kataloge haben eine Ausgabe und werden laufend aktualisiert. Vor der Anmeldung sollte geprüft werden, ob die konsultierte Ausgabe aktuell ist.
Vom EBA zum EFZ: Eidgenössische Zertifikate und mögliche Übergänge
Das EBA ist eine der wichtigsten Neuerungen des Bundesgesetzes über die Berufsbildung (BBG). Es dauert zwei Jahre und richtet sich vor allem an Personen, die für praktische Arbeiten geeignet sind. Im Gegensatz zu früheren empirischen Lehrverhältnissen führt es zu einem anerkannten Titel auf eidgenössischer Ebene mit landesweit einheitlichen Kompetenzen.
Der andere Grundabschluss ist das EFZ. Es schliesst die drei- oder vierjährige berufliche Grundbildung ab. Das EBA ist der Titel der zweijährigen Ausbildung und gewährleistet kontinuierliche Übergänge zu den EFZ-Ausbildungen.
Die EBA-Ausbildungen basieren auf eigenständigen, am Arbeitsmarkt orientierten Berufsprofilen. Sie sichern die Kontinuität hin zu den drei- und vierjährigen beruflichen Grundbildungen. Sie vermitteln Kompetenzen, die eine langfristige Integration in die Arbeitswelt ermöglichen sollen. Das EBA ist somit ein auf die vom Markt gefragten Qualifikationen zentriertes Angebot.
Die Rolle der Organisationen der Arbeitswelt (OdA) ist zentral. Wie in der Schweizer Berufsbildung üblich, entscheiden die OdA, ob in ihrem Berufsfeld zweijährige berufliche Grundbildungen angeboten werden sollen. Bund und Kantone arbeiten zusammen, um die Rahmenbedingungen für ein ausreichendes Angebot zu schaffen.
Das EBA weist jedoch eine strukturelle Spannung auf. Einerseits müssen die operativen Kompetenzen definiert werden, damit Inhaber des Titels gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Andererseits ist es wünschenswert, möglichst vielen Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit zu geben, einen eidgenössisch anerkannten Titel zu erlangen.
Daraus entstehen mögliche Zielkonflikte zwischen Inklusion und Marktanforderungen. Die Feldforschung erinnert zudem daran, dass für die Entwicklung neuer EBA-Berufe eine Bedarfsabklärung nötig ist. Diese muss die Nachfrage des Arbeitsmarktes aufzeigen und die Durchlässigkeit zu anderen beruflichen Bildungen gewährleisten.
Höhere Berufsbildung: Prüfungen, Fachschulen und Titel
Die höhere Berufsbildung (HBB) reagiert auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts; sie bereitet auf spezialisierte und führende Funktionen vor. Sie setzt auf Berufserfahrung auf: Wer ein EFZ oder einen gleichwertigen Titel der Sekundarstufe II besitzt, kann sich spezialisieren, sein Wissen vertiefen und auch Qualifikationen im Unternehmensmanagement erwerben.
Die HBB gliedert sich in zwei grosse Familien. Einerseits die eidgenössischen Prüfungen: Berufsprüfungen und höhere Fachprüfungen. Andererseits die Lehrgänge der HF.
Das Angebot ist breit: In der Schweiz kann man zwischen 260 Berufsprüfungen und 160 höheren Fachprüfungen wählen. Die HF-Lehrgänge umfassen rund 440 Angebote. Das Angebot deckt alle Berufsfelder ab und ermöglicht die Wahl zwischen etwa 470 Titeln; die Mehrheit davon sind eidgenössische Fachausweise.
Die Verbindung zur Arbeitswelt ist eng. Berufs- und Branchenvorbände definieren die Ausbildungsinhalte und passen sie an die Marktbedürfnisse an. Die ausgestellten Titel sind sehr gefragt, da sie eine starke Praxisorientierung garantieren.
Die Namen der am häufigsten gewählten Wege ergeben sich aus einer Übersicht der Berufsprüfungen, höheren Fachprüfungen und HF-Lehrgänge mit der höchsten Anzahl Einschreibungen. Wer einen Titel in einem spezifischen Bereich sucht, kann dort ansetzen.
Am häufigsten gewählte Bildungswege in der HBB
- Berufsprüfungen260 verfügbare Kurse
- Höhere Fachprüfungen160 verfügbare Kurse
- HF-Lehrgänge440 Wege
Wert der Titel und Karriere-Rendite
Die höhere Berufsbildung gilt als rentable Investition. Im Vergleich zu Fachkräften mit einem Titel der Sekundarstufe II verdienen Inhaber eines HBB-Titels 30 % mehr. Der Titel eröffnet zudem Zugang zu spezialisierten und führenden Funktionen in einem System, das angewandtes Lernen und die schnelle Implementierung neuer Kompetenzen fördert. Es liefert qualifiziertes Personal für eine hochspezialisierte Wirtschaft.
Anders sieht es bei Diplomen aus, die über alternative Verfahren erworben wurden, wie die Validierung von erworbenen Kompetenzen oder die Anerkennung eines ausländischen Titels. Eine Studie der Leading House GOVPET, durchgeführt im Bereich der Kinderbetreuung, zeigt, dass diese Qualifikationen insgesamt ein gutes Image geniessen. Sie werden jedoch im Vergleich zu Standarddiplomen etwas weniger geschätzt.
In einem Bericht von 2023 befasst sich der Bundesrat mit Qualifikationen, die durch Validierung erworbener Kompetenzen erworben wurden. Er stuft sie als inferior gegenüber denen der Standardwege ein.
Die Wahrnehmung ist nicht einheitlich: Sie variiert je nach Branche und Arbeitgeber. Sie kann davon abhängen, wie das alternative Verfahren gestaltet wurde und wie stark die Arbeitgeber einbezogen waren. Für jemanden, der eine Bildungsinvestition evaluiert, zählt der Titel, aber ebenso der Weg, auf dem er erworben wurde, und seine Lesbarkeit für die Einstellenden.
Wirtschaftliche Vorteile der höheren Berufsbildung
- Zugang zu Führungsrollen
- Ja
- Wahrnehmung durch Arbeitgeber
- Sehr hoch für Standarddiplome
Wie die Weiterbildung finanziert wird
Die höhere Berufsbildung wird mit öffentlichen und privaten Mitteln finanziert. Neben den Kurskosten sollte geprüft werden, welche öffentlichen Beiträge auf Bundes- und Kantonsebene existieren. Prüfen Sie auch, welche Unterstützung die branchenspezifischen Berufsverbände bieten und welche Formen der Beteiligung Ihr Arbeitgeber vorsieht.
Die öffentlichen Partner haben Namen: der Bund und die Kantone. Als Partner der Berufsbildung arbeiten sie zusammen, um ein landesweit ausreichendes Bildungsangebot zu gewährleisten.
Auf Bundesebene haben die Mittel auch eine Programmdimension: Die Zusatzbotschaft vom 2. September 2026 begrenzt die Kosten des Programms auf maximal 100 Millionen Franken. Die Zahl betrifft das Programm als Ganzes, nicht die Kursgebühr des Einzelnen.
Ein spezifischer Kanal betrifft Mobilität und Austausch: Es gibt Programme, die Studien- oder Austauschaufenthalte im Ausland unterstützen. Bevor man auf diesen Kanal zählt, sollte geprüft werden, welche Programme verfügbar sind, an wen sie sich richten und unter welchen Bedingungen.
Die Bedingungen und Zugangsvoraussetzungen sind direkt beim Bildungsinstitut oder der Stelle, die das Programm verwaltet, zu erfragen, da sie variieren können.
Informationsseitig sammelt das SBFI die Hinweise zu Stipendien in einem eigenen Abschnitt mit dem Titel «Stipendien». Dies ist der erste Anlaufpunkt, um zu verstehen, welche Unterstützungen existieren.
Die öffentlichen Kanäle lassen sich namentlich auflisten: Fonds von Bund und Kantonen, Förderkanäle für Mobilität und Austausch, Abschnitt «Stipendien» des SBFI. Dies sind die Referenzen, die bei der Beantragung von Unterstützung genannt werden sollten.
Hinzu kommen private und betriebliche Kanäle: die Unterstützung durch branchenspezifische Berufsverbände und die Beteiligung des Arbeitgebers an Gebühren und Zeit.
Ein oft unterschätzter Faktor sind die Opportunitätskosten. Da die meisten Menschen HBB-Kurse parallel zur Erwerbstätigkeit besuchen, fliesst das Einkommen weitgehend weiter. Die realen Kosten reduzieren sich auf die Kursgebühr, das Material und die der Freizeit entzogene Zeit. Bevor man sich für ein Vollzeitmodell entscheidet, lohnt es sich, dieses mit einem Abend- oder Modulweg zu vergleichen.
Vor der Anmeldung sollten drei Punkte geklärt werden: Ob der Kanton Beiträge vorsieht, ob der branchenspezifische Berufsverband die Kosten unterstützt, ob der Arbeitgeber sich an Gebühren und Zeit beteiligt. Auf diesen drei Fronten konzentrieren sich die öffentlichen und privaten Quellen, die die höhere Berufsbildung finanzieren.
Validierung, ausländische Titel und im Job erworbene Kompetenzen
Es gibt zwei Hauptwege, um ein Diplom zu erhalten, ohne das entsprechende Standardbildungsprogramm zu absolvieren. Der erste ist die Validierung von Bildungsleistungen (VBL). Der zweite ist die Anerkennung eines ausländischen Titels. In der Fachliteratur gelten diese Instrumente allgemein als vielversprechend, um die Inklusivität der Bildungssysteme zu verbessern.
Das Thema ist aktuell: Angesichts des allgemeinen Mangels an qualifizierten Arbeitskräften besteht ein erneutes Interesse an der VBL und alternativen Verfahren zur Anerkennung von Kompetenzen. In der Schweiz gilt dies insbesondere für Gesundheit und Sozialwesen. Der Bundesrat hat einen Bericht veröffentlicht, der einen Überblick über die entsprechenden Praktiken bietet und deren Bedeutung und Grenzen aufzeigt.
Die Hauptgrenze liegt in der Legitimation: Diese Verfahren riskieren, in den Augen der Arbeitgeber an Glaubwürdigkeit zu verlieren, insbesondere wenn sie von politischen Organen ohne deren Einbeziehung festgelegt werden. Wer Kompetenzen im Job erworben hat oder ein ausländisches Diplom besitzt, riskiert benachteiligt zu werden: nicht weil die Kompetenzen fehlen, sondern weil sie für diejenigen, die eine Bewerbung prüfen, nicht leicht sichtbar sind. Die Einbeziehung der Arbeitgeber in die Gestaltung der Verfahren ist daher zu prüfen.
Wie sich die Wege ändern und was zu erwarten ist
Das Schweizer System entwickelt sich an mehreren Fronten weiter. Ein Forschungsstrang verfolgt, wie sich die Berufe mit EBA seit ihrer Einführung im Jahr 2004 entwickeln. Er untersucht auch, welche Bedürfnisse des Arbeitsmarktes und der Gesellschaft ihre Evolution antreiben. Die ständige Weiterentwicklung der Berufe und der beruflichen Grundbildung ist einer der Gründe, warum sich das System an die Veränderungen der Arbeitswelt anpassen kann.
Ein zweiter Strang betrifft die Stärkung der HBB. Das Massnahmenpaket sieht eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Akteuren der HBB und den Hochschulen vor, insbesondere den Fachhochschulen (FH). Die Zusammenarbeit ist eine klare Verantwortung der HF und der FH; dem Staat kommt eine subsidiäre Rolle zu.
Das SBFI hat dies mit der Konferenz der Höheren Fachschulen und swissuniversities diskutiert. Das im April 2025 tagende Dialogforum zu den HF bot eine Plattform für den Austausch.
Ziel ist mehr Transparenz in der Durchlässigkeit zwischen HBB-Titeln und Hochschultiteln, insbesondere bei der Validierung bereits erworbener Bildungsleistungen. Ein besonders wichtiger Aspekt ist die Verbesserung der Validierung gemäss den aktuellen Good Practices von swissuniversities, die diesen Aspekt und den Zugang zu Bachelor-Studiengängen der FH regeln.
Eine dritte Front ist die Kommunikation. Trotz der hervorragenden Arbeitsmarktaussichten halten Jugendliche und Eltern den allgemeinbildenden Weg, der zu einem Universitätsabschluss führt, oft für prestigeträchtiger. Informationsmassnahmen sollten daher bereits auf der Sekundarstufe I ansetzen. Sie sollten Eltern, Lehrpersonen und vor allem Berufsberatende einbeziehen.
Im Herbst 2025 hat das SBFI einen Auftrag zur Bestandsaufnahme der Kommunikation im Bereich HBB vergeben. Der Auftrag soll Massnahmen identifizieren, die die Bekanntheit verbessern, insbesondere bei Jugendlichen und internationalen Unternehmen. Der Schlussbericht trägt den Titel «Mandat zur Kommunikation in der höheren Berufsbildung», ist verfügbar und seine Empfehlungen können von den Akteuren übernommen werden.
Für alle, die sich auf dem Laufenden halten wollen: Prüfen Sie das Angebot Ihres Kantons und der Berufsverbände. Kontrollieren Sie, ob der gewählte Weg zu einem anerkannten Titel führt und welche Durchlässigkeit er zu weiteren Ausbildungen bietet. Klären Sie im Voraus die öffentlichen und privaten Finanzierungsquellen. Evaluieren Sie, ob eine Validierung bereits erworbener Leistungen oder ein Validierungsverfahren den Weg verkürzen kann.
Beim letzten Punkt ist es sinnvoll, den Arbeitgeber frühzeitig einzubeziehen. Die Anerkennung hängt auch von seiner Wahrnehmung ab.
Drei Referenzen sollten griffbereit bleiben: das SBFI für den Abschnitt «Stipendien», die Förderkanäle für Mobilität und Austausch, der Katalog der Berufskurse ACO des IFC für das Kursangebot. Dies sind die Ausgangspunkte, um Titel, Mobilität und verfügbare Wege zu prüfen.

